…den Hochglanzbildern folgen oder eine „echte“ Persönlichkeit entwickeln?

So, heute ist wirklich ein echt „cooler“ Freitag. Beinahe ein Jahr ist es her, dass ich den letzten Blog, oh, ersten Blogbeitrag geschrieben habe. Gratulation.
Sehr konsistente und konsequente Darstellung… Zweite Gratulation an mich selbst.

Der Freitag fängt gut an… oder auch nicht
Hat ja schon sehr gut begonnen… dieser Freitag, vielleicht kennt ihr das morgendliche Arbeitsbeginn-Ritual in ähnlicher Form, also …im Büro ankommen, Kaffee machen, Kaffee mitnehmen zum Computer, Computer starten, warten… warten… Schluck Kaffee nehmen, Email-Posteingang öffnen, Emails checken, Schluck Kaffee nehmen, runter-scrollen, rauf-scrollen, unerwünschte Mails löschen, „keine Lesebestätigung-senden“ davor auswählen, Social-Media-Eingänge (fb, x..g und l..in und Co.) überprüfen, auf interessante News klicken… wundern, wow, das ist ja spannend …klicken… weiter wundern… klicken… enorm wundern… Wahnsinn, was es alles gibt… Kaffee nehmen, kurz Uhr schauen, checken, checken, oh, was ist das… würg, kotz … tja… grade noch verhalten…

Der Anfall
Ein intensiver Würge-Impuls hat mich angefallen… nicht etwa, weil der Kaffee schlecht, oder die Aufgaben in den Mails so überfordernd… oder die Anfragen und Kundenwünsche so überzogen gewesen wären…

Nein, viel schlimmer – eines dieser auf Hochglanz polierten Businessbilder, von einem Hochwissenden mit massiver Erfahrung gepostete Beitrag mit „agile scrum“-Beschreibung („neuestes“ Vorgehen im z.B. Projektmanagement, auf adaptiv planende, selbstorganisierte MitarbeiterInnen setzend, die über story-card und kanban-board miteinander kommunizieren…) hat meinen Magen zum Revoltieren gebracht…

Zwei Hyperlinks weiter kommt dann was „Heiliges“ oder holacracy  Genanntes in meinen Blick, echt cooles Konzept, kenn ich schon, scrolle weiter, da sagen in einem Her……-Report befragte Manager(-Innen gibt es ja nicht sooo viele…), der stärkste Veränderungsdruck komme nicht von Markt oder von der Digitalisierung, sondern von „innen, von den Ansprüchen der MitarbeiterInnen an Teilhaben, Mitbestimmen wollen und Selbstorganisation“…aha, so so, ganz neu… wirklich…

Mein Magen ist ein innerhalb von Milli-Sekunden zu einem Zirkus-Hochsprung-Akrobaten avanciert… ganz selbstorganisiert und von innen heraus… echt…

Und dann kommt das X, über das Y, das M, und ganze Generationen fragen sich, wer sie sind… selbst ich, die schon seit… um Gottes Willen… nein… jetzt 23 Jahren im Arbeitsprozess bin… frage mich, ob ich eine „Beruf und Familie vereinende flexible Arbeitszeitgestalterin mit Generationenkonflikt im respektvollen Miteinander“ bin?

Hochglanzbilder zeigen die Realität, oder?
…Magen, bleib dort, wo du anatomisch gesehen richtig bist…
und diese Tipps im Umgang miteinander… welche 3 Tipps weiterhelfen, ein besserer Mensch zu werden, lächelnde Menschen, Horrormeldungen, Business-like zu sein im Management, nichts von sich preisgeben, Arbeit-Privates trennen, den Vorgesetzten nicht trauen, den MitarbeiterInnen nicht trauen, die sind von Haus aus auf Boshaftigkeit und Faulheit getrimmt, kein Lob, nicht getadelt ist genug gelobt, keine Wertschätzung, Respekt? Ausbeuten, Riesen-Firmen-Tempel hinstellen, wahre Wor… Verzeihung, Werte predigen, Anzug und Businesskostüm tragen, cool erscheinen, hinter Geringschätzung den angeknacksten Selbstwert auf Kosten anderer strahlen lassen, Lügen und Fake-News verbreiten, denunzieren, Seilschaften pflegen, ins offene Messer rennen lassen…

Ein Hochglanz-Business-Bild jagt das andere und mein Magen macht einen letzten, aufbäumend-niederringenden Dreher…

Erfolgreiche Menschen in erfolgreichsten Unternehmen mit hunderten von Tipps, was sie besser machen könnten, um den Anforderungen des Arbeitsalltages noch besser begegnen zu können, wieviel sie wann abnehmen könnten, um noch schöner, noch fitter, noch jugendlicher zu wirken… Mal..-Management, Harv…-B………, so geht es wirklich, DAS solltet ihr tun, das hier ausprobieren um MitarbeiterInnen zu motivieren, um sie anzutreiben, …das macht euch erfolgreich, wir sagen EUCH, WAS ihr zu tun habt, es ist ganz leicht, ganz einfach…

Schockierend real
In meinem Arbeitsalltag habe ich es nicht mit diesen Menschen zu tun, die so schön, so fit, so cool, so führungstechnisch und beziehungserhaben, motiviert und selbstorganisiert sind… sie arbeiten in diesen manchmal topstylishen Unternehmen, manchmal in Familienbetrieben, manchmal sind sie Selbstständige, manchmal sind sie in Funktionen und Rollen in höchster Ebene und bitten um Diskretion, manchmal sind sie die Mama von nebenan oder der sich kurz vor der Pension befindliche, die Kollegin, die gemobbt wird und erkennt, dass sie mitgemacht hat, die Abteilungsleiterin die sich morgens nur mit einem Tablettencocktail in den Betrieb begeben kann, um die an sie gestellten (Über)-Anforderungen zu bewältigen, der Teamleader der mit Restalkoholgehalt von 1,2-Promille den Tag übersteht und mit Energy-Drinks die letzten Reserven rausholt, der Manager, der mit diversen Verachtungs-Kommunikations-Mitteln die Fallen umgeht, die tagtäglich wie in einem Wildjagdgebiet von Wilderern von neuem aufgestellt werden…

Die überhebliche BeraterIn… und das echt Erlebte
Echt jetzt, man könnte meinen, ich hätte die falschen KundInnen oder AuftraggeberInnen oder noch besser, man könnte meinen, ich würde meine KundInnen und AuftraggeberInnen nicht schätzen, hier anprangern und verächtlich auf sie schauen… weil ich es ja um soooo vieles besser weiß, nicht wahr?

Nur, weil mir diese Hochglanzbilder unter die Augen gekommen sind und in mir abgespeicherte Erlebnisse mit einem 28-jährigen-Studi-Abgangs-Projektmanagement-Menschen wachruft, der meinte, mit „agile scrum, ….“  von Berlin nach München jettend die Allerweltsheilmethode gefunden zu haben und aufzutrumpfen…

…oder echt Erlebtes mit einer KollegIn, die mir und den Gesprächsteilnehmern freundlich ins Gesicht lachten und kehrt-um, abfällig und höchst verächtlich redete, so dass ich es nicht glauben hätte können, wenn ich es nicht erlebt hätte, dass es heute in der Form wirklich noch IMMER passiert…

…eine HR-MangerIn, die Persönlichkeitsprofile (man beachte die genannte Mehrzahl, da in echtem Erleben ein Einzelprofil erstellt wurde und auf Basis dessen eine Verhaltensdarstellung hochgeneralisiert wird, …ruhig, lieber Magen… würg) schon in- und auswendig kennt, das nicht mehr braucht und eh ganz erleuchtet in der näheren Erklärung doch erkennen darf, dass es vielleicht mehr an Tiefe braucht, mehr an Erfahrung und Mut, um sich seinen Herausforderungen zu nähern…

…der Geschäftsführer, der mir erklärt, mit der gewaltfreien Kommun… bestens betraut zu sein und postwendend einen zufällig nach dem Projektzeitplan fragenden Mitarbeiter so aufmaschelt, dass mir als unbeteiligter ZuhörerIn die Ohren rauschten und wonach dieser dann meinte, Mitarbeiter wären „anzutreiben“ und bräuchten auch einmal einen „richtigen“ Dämpfer, wenn sie so „blöde Fragen“ stellen (…den Auftrag hab ich dann nicht bekommen, weil ich höflich mit einer geschlossenen Frage nachzufragen wagte, ob wir noch im Mittelalter und in der Leibeigenschaft wären…)

Nein, meine Lieben, ich habe für mich eindeutig SEIN gewählt und unterscheide zwei Dinge:

Die SCHEINwelt entlarven
Das was an Sein-SCHEIN da ist, ist bei näherer Betrachtung wirklich nur Schein. Das, was meinen Magen zum Rotieren bringt, ist dieses überhebliche Darstellen von „neuesten Methoden und Werkzeugen“, ohne dass die Basisbegriffe und Grundverständnisse im Miteinander bewusst gemacht würden oder geschweige denn, dass diese verstanden und internalisiert sind. Sage ich das? Nein, das melden meine KundInnen und AuftraggeberInnen zurück.

Das was mich beruhigt, und diesen Würgereiz abflachen lässt, ist, dass meine AuftraggeberInnen und KundInnen diese SCHEINwelt, die da draußen erzeugt wird, erkannt haben. Sie haben den Mut und die Reflexionsfähigkeit, zu bemerken, dass da etwas falsch läuft.

Sie sind aktiv, sie gehen daran, diese Basisthemen herauszufiltern. Sie wollen wissen, wie „Menschen ticken“, um sich selbst und andere besser zu verstehen. Sie wollen wissen, wie eine „einfache“ Bitte, ein „einfaches“ Danke, ein einfacher Wunsch so formuliert wird, dass dies beim Gegenüber keinen Widerstand erzeugt. Sie wollen WIRKLICH in ICH-Botschaften sprechen und sich nicht hinter man, jemand, der… verstecken.

Wertvoll sein
Sie wollen wissen, was ihre Werte sind und warum es so weh tut, wenn die eigenen Werte verletzt werden. Sie wollen andere nicht mehr so sehr oder weniger durch unbedachte Äußerungen zur Weißglut „hocheskalieren“. Sie wollen sich wertvoll fühlen und für ein wertvolles Miteinander, ehrlich zu sich stehen und auch zu anderen.

Sie wollen nicht mehr schimpfen, jammern, ängstlich sein… sie sind bereit, die Verantwortung für sich und ihr Leben zu übernehmen. Sie stürzen in Veränderungstäler und -flüsse, durchschwimmen die tiefsten Wässer und durchtauchen wilde Strudel, bis sie sich so annehmen können, wie sie wirklich sind: wunderbar einzigartig, grandios verrückt und ECHT in jeder Situation. Kein Theater mehr, kein Vorspielen von dem, was geglaubt wurde, wie man zu sein hat, im Business, in der Familie, …

Kurzzeitig habe ich jetzt schon fast geglaubt, ich wäre einer Projektion erlegen… dieses Kotz- und Würgefühl hat mich darauf gebracht, hier eindeutig hinzuschauen und mich selbst zu fragen, ob ich weiterscrollen sollte, ob ich weiter „neueste“ Infos liken sollte, „beste“ Rezepte für was auch immer weiterteilen sollte, mich… ich wage es kaum, einzugestehen, weiter mit diesen Hochglanz-Business-Bildern und Erfolgsstories zu vergleichen…

Und ganz echt, NEIN!!!!!!! Schluss mit MUSS-Gedanken!

Danke an Euch ECHTE MENSCHEN
Meine KundInnen, AuftraggeberInnen UND ICH – wir sind keine aus Hochglanzbildern Entsprungene, wir sind ECHTE Menschen mit ECHTEN Anliegen. Darauf bin ich soooo stolz!
Ihr seid die Besten!!!!!!!

Wir sind echt… wir kriegen immer wieder mal eine auf den Deckel… wir lernen… wir stehen wieder auf… wir machen es beim nächsten Anlauf besser… gemeinsam, weil wir uns austauschen und ehrlich miteinander reden.
Würde jemand zu Euch sagen, ich wäre überheblich, ihr würdet sicher zu lachen beginnen. Weil ihr mich ECHT kennt.

Und ich bin stolz darauf, dass ich eine winzige ImpulsgeberIn im Riesen-Erden-Dasein sein kann, die ECHTEN Basisthemen zu vermitteln… nicht das WAS, sondern das WIE, wie es im Miteinander noch besser gelingen kann… gemeinsam mit jenen, die meine KooperationsPartnerInnen und Freunde sind… wo war denn schnell der „like-Button“… ach, ja, hier 🙂

Ein letzter Schluck
So, jetzt geht es mir wieder besser. Das Kaffeehäferl ist leergetrunken, mein Magen hat sich beruhigt und das Würgegefühl ist einem befreiten Durchatmen gewichen. Die rechte Hand an der Maus hat sich dem Pfeil folgend dem Papierkorb genähert und die Beiträge von „Hochglanz-Agile-Scrum- holocrac-Y-Generation“ (bitte nicht falsch verstehen, coole Themen!) sind gelöscht.

Ich bin durch viele meiner Erlebnisse im ECHTEN Leben überzeugt davon, dass diese genannten Themen erst dann gelingen können, wenn die Basisthemen der dialogischen und systemischen Kommunikation im Rahmen von Leadership selbst erlebt und erkannt werden.

Heute ist Freitag, … Beinahe-Jahrestag, …zweiter Blogbeitrag, …dritte Gratulation!!!!

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