Na, welche Ziele, die jemand sich stecken kann, machen langfristig glücklich?
Hier sind sie, die bekannten „big five“-Ziele

  • Wohlstand,
  • äußerliche Attraktivität,
  • Unabhängigkeit,
  • Macht und Einfluss und
  • soziale Anerkennung.

Ja, das es DIE sind, hast du wohl immer schon gewusst, oder? Und wenn man(n)/frau durchs social-media-universum surft, scheint das ja irgendwie zuzutreffen (z.B. fb, linkedin, xing, …und Co, nicht vollständig bitte, nur Auszug). Wie werde ich schöner? Wie werde ich besser? Reicher?  Zufriedener? Schlauer? Schlanker? Attraktiver? Beliebter?
Ganz einfach, indem du in mein Unternehmen, meine Firma kommst, mein Produkt kaufst, meinen Kurs besuchst… dann wirst und bist du glücklicher.

Tja, leider, Irrtum…, diese Ziele da oben, die sich auf Äußerlichkeiten beschränken und von anderen abhängig machen, sind definitiv NICHT jene, die langfristig glücklich machen.

Du fragst dich, warum?

Weils immer wieder falsch interpretiert oder nachgeplappert wird… nicht, dass du jetzt glaubst, dass ich es besser weiß, nein, ich hab mal nachgelesen und genauer nachgefragt, weil mir einige meine TrainerInnenKollegInnen mächtig auf den Geist gegangen sind und ich surfend auf diversen Youtube-Videos schier eine Angstkrankheit zu „Zielen“, „Zielerreichung in Unternehmen“… entwickelt habe…Ich möchte ja jetzt nicht gegen mein eigenes Business reden, doch irgendwie habe ich ein „irritierendes Gefühl“, wenn ich mir das alles so anschaue, mich gar noch vergleiche… Schreck lass nach… es knabbert was an meinem Selbstwert… Glück gehabt, Tief überwunden, Tastatur ausgepackt und zu schreiben begonnen…
Also, vielleicht möchtest du in Zukunft auch beim „Zielgerede“ anders glänzen und vielleicht hast du dir auch deine Gedanken zum Zusammenhang von Zielen und Glück gemacht… bitte, aber nur dann weiterlesen…

Wohlstand ist gaaaaaaanz schlecht als Ziel?

„Geld allein macht nicht glücklich!“ Lasst mich raten, diese Aussage ist mehr als bekannt, oder?
Stimmig ist sie allerdings nur dann wirklich, wenn jemand in seinen Grundbedürfnissen ein sicheres Ein- und Auskommen hat. Faktisch erstens, wo jemand also nicht um das Überleben kämpfen muss – dann ist Wohlstand durchaus ein legitimes, glücklich machendes Ziel. Allerdings wird der obige Satz in Seminaren oder merkwürdigen Lebenshilfe-Leitfäden nur einseitig dargestellt. Und faktisch zweitens, die Aussage „Geld allein macht nicht glücklich“ beginnt erst AB einem gewissen Lebensstandard zu wirken, wo ich mir keine Sorgen um meine täglichen Rechnungen und Brötchen machen muss. DANN ist es besser, seine Ziele nicht auf weiteren Wohlstand ALLEIN (Dagobert Duck) auszurichten, um glücklich zu sein oder glücklich zu werden. Hier haben schlaue Menschen herausgefunden, dass ab Erreichen eines GEWISSEN Lebensstandards ein persönlicher Beitrag zu einem größeren Ganzen glücklich macht, wo man sich für etwas zu engagiert oder jemanden fördert, in einem Verein sich für etwas einsetzt, usw.  (vgl. Diener & Biswass-Diener 2011)

Äußerliche Attraktivität

Nun, dieses Ziel ist für die Jugend aufgrund ihres Reifegrades wohl eines der wichtigsten. Wie angelt man(n) oder frau sich denn sonst wohl „die Richtigen“…
Spaß beiseite, das gilt ja auch für reifere Semester, wenn wir uns so in der Werbung zu Fitness- und Abnehmwahn einklinken.
Bitte klar zu verstehen – ich bin FÜR Fitness und ich bin FÜR gesunde Ernährung und ich bin FÜR ein attraktives Äußeres, ich bin NUR gegen Übertreibung und Fanatismus.
Gut zusehen ist das dann bei den aufgespritzten, gummibootartigen Lippen der leider schon ab 20 bis 60-jährigen Damen, den implantierten Po-Aufrichtern der 40 – 70-jährigen Knacker (weiter will ich darauf nicht eingehen, denn ihr seht es ja selbst).
Dabei sollte also nicht übersehen werden, dass die Verfolgung dieses alleinigen Zieles immer ein Spiel gegen die Zeit ist.
Und damit an der Reifung einer Persönlichkeit vorbeigeht und daher immer nur mehr zu Frust und Leid führt (auch gut zu beobachten, wenn ihr an die einigermaßen berühmte Societylady denkt, die immer so hübsch schillert – ob sie leidet, weiß ich nicht, da ich sie nicht persönlich kenne – ich beobachte nur das Äußere).

Unabhängigkeit

Auf das Erste erscheint das als Ziel sehr erstrebenswert. Werde unabhängig, du brauchst niemanden, du selbst kannst alles schaffen, is so, passt so, du musst nur deine Gedanken ändern, dann ändern sich auch deine Gefühle… eh, hallo?!! Hier muss ich manche meiner TrainerInnenkollegInnen eindeutig „angehen“. Wenn mir jemand sagt, dass „eh alles nur von deinen Gedanken abhängt, du musst dich nur abgrenzen lernen, auf deine Gefühle hören, auf dein Inneres, auf deine innere Stimme, du bist stark genug, wir finden die Ursachen deiner Verletzungen und machen dann eine kleine Übung dazu und schwupp, dann bist du am richtigen Weg, die anderen brauchst du nicht oder nur wenig, die kannst du eh nicht ändern… du musst nur dem Fluss der Energie vertrauen… und umsetzen“, dann kann ich einen Würgereiz kaum unterdrücken.

Auch auf die Gefahr hin, dass ich meine „Karmakraxe*)“ negativ auflade, doch hier kommt in mir der Gedanke auf “hey, Alter, was verzapfst du da, lümmelst im Jogger auf dem Sofa, lässt dich von jemanden zu deiner Lebensweisheit interviewen, wie lässig-checker-mäßig das Leben ist, sich selbst genug sein ist alles…“. Graus.

Nun, ich bin auf nicht perfekt und manchmal wünsch ich mir, dass sich andere für mich ändern oder es einfacher ginge, gute Beziehungen, egal welcher Art zu führen. Und ich hab schon hundertmal versucht, meine Gedanken zu ändern, dann meine Gefühle zu verändern, dann wieder umgekehrt, mich gar nicht mehr zu äußern oder zu engagieren, den Hut drauf zu hauen… um letztlich zu erkennen, dass sich selbst genug sein und keine andere Person zu benötigen, eine Illusion ist. Die, auch auf Dauer verfolgt, nur zu Frust führt.

Was ist wahre Unabhängigkeit?

Wahre Unabhängigkeit bedeutet, “ich entscheide im Einklang mit meinen Werten“ und ist schärfstens abgegrenzt von „ich brauche niemanden“.

Dann bin ich wieder bei meinen TrainerInnenKollegInnen. Wenn sie das so rüberbringen, bin ich wieder friedlich gestimmt, und wenn sie dich oder mich dabei mit diversen Techniken unterstützen, überhaupt ein Gefühl für sich selbst zu entwickeln, dich dabei zu unterstützen, was Werte überhaupt sind und wie man(n) oder frau sich da draufkommen kann, dann ok.
Ansonsten, Kollegas, „i´m watching you“.

Macht und Einfluss

Oh, yeah! Eines der besten Ziele! Wie in „Pinky and the Brain“, hier geht es um die Weltherrschaft!
Schauen wir uns um, haben wir hier ein paar Exemplare auf der Welt, die am Auslöserknopf sitzen, bewaffnet bis an die Zähne. Und die, wenn wir diversen Einschätzungen von Psychologen und Therapeuten glauben, Narzissten, Psychopathen und Despoten, schlimmstenfalls Soziopathen, sind.

Ich schätze mal, sie sind in ihrer Welt glücklich. Nur für andere sind die definitiv gefährlich. Hier stehen wir sozusagen vor der Entscheidung, diesen Menschen zu folgen (Macht, Hierarchie, Einfluss zu gewinnen) oder sich auf jene Ziele zu fokussieren, die auf den Einsatz der eigenen Kompetenz gerichtet sind.

Immer mehr, noch mehr Einfluss, noch mehr Seilschaften, noch mehr Betrug, noch mehr Ausbeutung von Mensch und Umwelt, STOPP – verbunden mit der positiven Form dieses Ziels ist das Bewusst werden, was im Leben Sinn macht, was denn Spiritualität wirklich bedeutet (im Sinne des Beitrages zum Ganzen, einer lebenswerten Welt… doch dazu später).

Soziale Anerkennung

„Soll ich dir den Kaffee bringen? Was magst du denn? Hast du schon die neuesten Sneaker? Wo warst du denn im Urlaub? #Sonnenschein#was, nur daheim#schaut mal, was ich grade esse#wen ich gerade…“ – Beobachten wir mal ganz ungeniert die Menschen in einem Kaffeehaus – wir werden nicht auffallen, ich verspreche es. Da sitzen sie, und … schauen… in ihr Handy! Statt einander zu begegnen – denn das wäre echter, sozialer Kontakt, wird zuerst fotografiert und dann gepostet, wie sie sich begegnet sind. Ach ja, die Café late ist auch am Bild, weil den Wirten muss ich auch noch liken… Schaut wie super ich bin!

Alles ist auf äußere Anerkennung ausgerichtet, möglichst viele likes zu sammeln, viele fb-Freunde, möglichst bei jeder Party dabei zu sein… Es braucht viel Energie, um andere zu positiven Bewertung der eigenen Person zu motivieren. Das lesen wir dann in den Tipps, wie oft etwas zu posten ist, zu liken, etc.

Das soziale Netzwerk

Nun, ich bin kein Feind von fb, ich nutze es ja selbst auch. Es ist ein soziales Netzwerk, das ungeachtet der vielen „Skandale“ die Möglichkeit bietet, Menschen zu erreichen und in Kontakt zu bleiben. Und es ist ein Teil des Marketings, es zu nutzen. Das müsste bei aller Naivität in der heutigen Zeit des Materialismus irgendwie wohl schon mal angekommen sein. Darüber hinaus glaube ich, dass auch hier der Unterschied darin liegt, dass ich immer auch eine persönliche Beziehung zu diesen Menschen habe. Ich hab mich mit ihnen verbunden, weil ich sie mag und nicht davon abhängig bin, um meinen Selbstwert zu steigern, ob sie mich „gegenmögen“ und liken. Ich möchte darüberhinaus ja auch berichten, was es Neues bei mir gibt und wie könnte ich mehr Menschen erreichen, als hier? Und, hier kommt das Thema Selbstwert ins Spiel, dass mit sozialer Anerkennung verbunden ist. Besonders lustig fand ich den Beitrag des Kleine Zeitung-Chefredakteurs Patterer am vergangenen Sonntag zu seiner „fb-Abstinenz als richtiger Strategie„… und die Leserbriefe dazu am Dienstag, 10.4.2018. Aber das nur als kleiner Sidestep.

Jemanden wirklich zu begegnen, sich Zeit zu nehmen für ein Gespräch, einen Austausch, inspiriert zu werden, neue Ideen zu entwickeln – das passiert NUR in einer echten Begegnung, nicht in einer virtuellen.
Als Person akzeptiert zu werden, mit Ecken und Kanten, wertschätzend behandelt zu werden und zu sein, das macht den Unterschied zwischen dem Ziel „soziale Anerkennung“ und „soziale Anerkennung“.
Das andere ist Marketing, eine durchaus legitime Strategie, um im Geschäft zu bleiben, über Neues zu berichten und auch eine Frage des Zeitgeistes, wo ich selbst entscheide, was ich preisgebe (natürlich im Sinne und auf Basis einer rechtlich gesicherten Verwendung meiner Daten).

Was definitiv NICHT als ZIEL(e) glücklich macht

Hier nochmal eine kleine Zusammenfassung:
Längerfristig macht die alleinige Ausrichtung auf die hier aufgezählten Ziele Wohlstand, äußerliche Attraktivität, Unabhängigkeit, Macht und soziale Anerkennung nicht glücklich. Sie sind immer im Zusammenhang mit dem Umfeld und persönlichen Geschichte der betreffenden Person anzuschauen und hier im Beitrag als Impuls zu verstehen, sein Leben mal zu überprüfen, ob man diesen Äußerlichkeiten und Flachheiten erlegen ist. Denn – sie korrelieren im Durchschnitt häufiger mit

  • Depression,
  • Angst,
  • Narzissmus und
  • generell mit Krankheitssymptomen (vgl. Ryan, Sheldon, Kasser & Deci, 1996).

In vielen Beratungen und Seminaren beklagen die TeilnehmerInnen nämlich sehr häufig Symptome wie Leere, ausgebrannt sein, keine Zeit für sich zu haben…, die bei genauerem Draufschauen eben auf diese Ziele und Äußerlichkeiten begründet sind. Sie merken, dass sie jetzt genug davon haben, diese Ziele zu verfolgen. Sie wünschen sich mehr Tiefe, wollen anderen helfen, wollen ECHT sein und wahrgenommen werden, wollen miteinander IN KONTAKT kommen und miteinander reden…

Buchtipp

Zum Nachlesen gibt es dazu coole Impulse aus dem genialen Buch „Positive Psychologie – Ein Handbuch für die Praxis“ von Daniela Blickhan. Sie gibt darin einen Überblick zum neuen wissenschaftlichen Ansatz der Positiven Psychologie. Dieser untersucht Faktoren eines gelingenden und erfüllten Lebens, was uns leistungsfähiger hält, was uns zufriedener sein lässt, und, und, und ….
Einen Blick reinzuwerfen lohnt sich auf jeden Fall.

Und deine Erfahrungen?

Und abschließend zu Zielen, die langfristig nicht glücklich machen… praktischen Erfahrungen sozusagen… Bist Du anderer Meinung?
Welche Erfahrungen hast Du mit der einen oder anderen geschilderten Erzählung? Was macht Dich glücklich? Welche Ziele verfolgst Du?

Ich freu mich auf Deine ganz persönliche Rückmeldung!

Und was macht jetzt, rein wissenschaftlich beleuchtet, glücklich?
Dazu mehr im nächsten Artikel 🙂

*) Karmakraxe: Wortkreation von mir, die mich als Kind der „katholischen“ Ausrichtung im Sinne der Zielvermeidung daran erinnert, nicht einmal einen bösen Gedanken zu haben, der mir dann exponentiell wachsendes, negatives Karma beschert; ich gebe zu, das wahrscheinlich die einfachste Auslegung des Karmaprinzips aus dem Buddhismus und verbunden mit Zielvermeidung (Gegenteil: Annäherungsziel) noch nicht ganz im Sinne des Prinzips, …Geduld, …ich lerne…

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